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Anspruchsvolle Erlebnisreisen in Neuseeland

Was Reisedesigner mit Meisterköchen verbindet

Was Reisedesigner mit Meisterköchen verbindet

Vor einigen Jahren fragte mich jemand von Tourism New Zealand, was mich in die Reisebranche verschlagen hatte. Zur Erklärung dieses Phänomens (ich war ja vorher in der Unternehmensberatung tätig), ziehe ich gern Parallelen zum Beruf des Gourmetkochs.  Die Dame auf unserem Foto ist Pen Lee, die sehr talentierte Meisterköchin des Split Apple Retreats. Sie hat eine sehr elaborierte, authentische und innovative Küche nach Neuseeland gebracht. Genau so sehen wir uns auch.

Was macht ein guter Koch? Aus Zutaten, die den meisten von uns zugänglich sind (abgesehen von Privatgärten oder anderen Geheimplätzen), kreiert er etwas Besonderes. Viele seiner Gerichte entsprechen einem gewissen Standard, einige sind überragend. Alle passionierten Köchen kredenzen ihre Speisen mit Leidenschaft, Flair und gelegentlich etwas Überschwang. Das, was entsteht wenn sie ihre Kreationen einem bestimmten Gast an einem bestimmten Ort in einem bestimmten Licht mit einer bestimmten Hintergrundmusik und in bestimmten Ambiente servieren, ist ein Erlebnis. Eine Karotte allein macht kein Erlebnis. Aber sie kann eins werden. 

So habe ich damals den Unterschied zwischen Ahipara und, sagen wir, einem Anbieter für Kajaktouren verdeutlicht. Fragt uns ein Gast nach einem Ausflug im Kajak, werden wir sicherstellen, dass wir für ihn die bestmögliche Variante des Landes anfragen. Wir bemühen uns darum, dass diese Tour am richtigen Ort und zur richtigen Zeit stattfindet und der Anbieter für den jeweiligen Gast der Richtige ist. Ansonsten würde sich der Kajakausflug anfühlen, wie eine einsame Karotte auf Pens Tisch. 

Versuchen wir also unseren Kajakausflug genauer zu definieren. Soll er einen ganzen Tag dauern oder lieber nur einen halben? Soll er lieber vormittags oder nachmittags stattfinden? Wo möchte der Gast am nächsten Tag aufwachen? Was wünscht er sich zum Mittagessen?Und was zum Dinner? Wo könnte man die Übernachtung buchen? Welche Fahrzeiten müssen beachten werden? Wie lautet die Wettervorhersage? 

Nehmen wir an, wir haben all diese Kleinigkeiten bedacht, organisiert und nun bereits eine schöne Tour hinter uns. Was passiert am Tag davor und am Tag danach? Sind die Komponenten Aktivität versus Anreise versus Erholung in einem guten Gleichgewicht? So in etwa kreieren wir perfekte Tage über eine Dauer von zwei Wochen hinweg, bei denen wir das Ambiente, die verschiedenen Aktivitäten und Charaktere unserer Guides immer mitdenken. 

Dadurch, dass wir es selten mit Singles zu tun haben, kommen schnell die Ansprüche, Träume und Besonderheiten weiterer Mitreisender hinzu. Und weil wir all unsere Neuseeland-Reisen maßschneidern, sehen diese Prozesse im Hintergrund bei jedem Kunden anders aus. 

Hinzu kommt noch etwas, das ich gern den 3D-Effekt nenne. Wir verkuppeln unsere Gäste mit Neuseeland, weil wir ihre Bedürfnisse in das Reiseprogramm einfließen lassen. Greifen wir uns einmal den beliebten Milford Sound als Beispiel heraus, den wir am liebsten mit dem Hubschrauber ansteuern, weil man ihn dann in seiner ganzen Pracht erlebt. Hier eine Liste möglicher Optionen für Ausflüge dorthin:

  • Wir fliegen die Gäste am frühen Morgen dorthin (bevor alle anderen Touristen dort ankommen), erleben den Fjord in vollkommener Stille an Bord einer kleinen Privatyacht und fliegen danach mit dem Hubschrauber wieder zurück
  • Wir fügen zu Variante 1 noch ein Lunch in einem restaurierten Stein-Cottage auf einer Farm in den Bergen hinzu
  • Wir kombinieren Milford mit einem Nachmittag bei einem Bauern auf der Farm
  • Wir brechen nach dem Besuch im Milford Sound zu einer Wanderung im Westen auf - weit weg von den Touristenmassen 
  • Wir fahren nach dem Besuch in Milford etwas Jetboat und die Gäste genießen ein Picknick aus wild wachsenden neuseeländischen Zutaten
  • Nach dem Besuch beim Milford Sound lassen wir die Gäste auf einem glasklaren Bergsee Paddleboards ausprobieren
  • Wir erleben nach dem Besuch in Milford einen Tauchgang an der Westküste, bei dem jeder nach Paua-Muscheln und Krebsen suchen kann  
  • Wir kombinieren Milford mit einer ethisch korrekten Jagd nach den Säugetieren, die nach Neuseeland eingeführt wurden und einheimische Arten bedrohen  - Rehe, Gämse und ziegenähnliche Tahrs 
  • Milford kann auch mit Forellen-Fliegenfischen verknüpft werden
  • Oder die Gäste werden bei ihrem Ausflug von einem der besten Landschaftsfotografen des Landes begleitet

Ich denke ich muss die Liste nicht weiter fortsetzen - Sie verstehen, was ich meine. Aber selbst wenn Sie sich für eine der Optionen oben entschieden haben, gibt es weitere tausend Varianten - allein schon bei den möglichen Flugrouten zum Milford Sound, der Unterkunft vom Vortag, dem Frühstück und dem nächsten Reiseziel - all das fließt in unsere Planung ein.

Wenn man also als Reisedesigner (oder vielmehr als Spezialreiseveranstalter) ein Neuseelandprogramm zusammenstellt, ist die Bandbreite der Zutaten und Kombinationsmöglichkeiten schier unendlich. Das Resultat ist ein Gericht oder eine Abfolge von Gerichten, die von einer DMC (Destination Management Company) zur anderen stark variieren kann. 

Manche von uns denken sich ihre Kreationen komplett selbst aus, manche heuern dafür Meisterköche an, einige suchen Hilfe im Internet, einige fragen einen Mann im Pub um Rat, andere wollen unbedingt das machen, was der Nachbar auch macht - obwohl sie sonst kaum etwas mit ihm gemeinsam haben. Dadurch können die Reisenden auf ein breites Angebot zurückgreifen und sich das herauspicken, was zu ihnen passt. Manche gehen gern zu KFC oder werfen wild ein paar Zutaten in den Topf und hoffen, das am Ende etwas Leckeres herauskommt (habe ich auch schon beides ausprobiert). Aber wenn die Mahlzeit zu einem besonderen Anlass passen soll, sind die letzten beiden Optionen meist nicht gut genug. 

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