Menu
Anspruchsvolle Erlebnisreisen in Neuseeland

Tripadvisor - Die Institutionalisierung des Gewöhnlichen

Tripadvisor - Die Institutionalisierung des Gewöhnlichen

Als ich neulich einmal wieder in Wellington war, wollte ich mich gern ein wenig in der lokalen Gastronomie-Szene umschauen. Meine Frau hatte mir zum Geburtstag einen Besuch im Gourmetrestaurant "Logan Brown" geschenkt, das besonders für seine Paua-Ravioli bekannt ist. Sie weiß, dass die Liebe auf dem Weg zu meinem Herzen ganz gern mal beim Magen Halt macht. Aber ich wollte nicht nur im "Logan Brown" speisen, sondern noch andere Gourmettempel kennenlernen, auch weniger feine Lokale. Natürlich hatte ich mit meiner Recherche bis zum letzten Moment gewartet und öffnete die Tripadvisor-Seite erst in meinem Hotelzimmer. Wow. Ich war wirklich erstaunt, wie viele zwielichtige Restaurants dort eine gute Bewertung bekamen. Und wie viele fantastische Orte, die ich sehr schätze, gar nicht erst genannt wurden. Also beendete ich meine Internetsuche. Ich wollte ja Empfehlungen von Leuten mit Geschmack. Ich fand sie im Cuisine Magazin, einer neuseeländischen Feinschmecker-Zeitschrift. Phew - hier kamen wir der Sache schon näher. Hier wurde Wellingtons Restaurant-Szene von Kritikern beschrieben, die tatsächlich etwas von gutem Essen verstanden.

Diese Situation brachte mich über Tripadvisor ins Grübeln.  Wie vermutlich jeder andere Bewohner dieses Planeten surfe ich gelegentlich auf die Seite, wenn ich im Zusammenhang mit Reisen um Rat suche. Wenn man die Informationen der Seite grob nach Meinungen sortiert, bekommt man zumindest eine vage Idee, was gerade im Trend liegt und was nicht. Das ist ein bisschen so wie bei einer Wahlkampagne. Was dort aber niemand findet, ist eine starke und gut begründete Einschätzung. 

Stelle man sich Tripadvisor einfach mal als Tool im Rechtswesen vor. "Also 54% der Leute schätzen, dass man damit vor Gericht ziehen kann". Oder "Zum Glück glauben 99%, dass es sich bei Mr. X um einen Winkeladvokaten handelt, also lass ihn uns lieber nicht engagieren." Oder Tripadvisor im medizinischen Bereich: "Also das klingt eindeutig nach einer Zyste, einem Blutgerinnsel oder einem pre-menstrualen Phänomen usw. " An dieser Stelle muss ich wieder zu meinem Lieblingsbild zurückkommen, dem des Mannes im Pub, den man nach Reiseempfehlungen fragt. Während man diese Tipps von ihm bekommt, kann man ihn doch gleich noch um finanziellen Rat fragen, eine kleine Eheberatung bei ihm absolvieren und die Zähne sollte er sich auch gleich noch anschauen. 

Aber zurück zu Tripadvisor.  Dieses System ist weder intelligent noch gut informiert, denn es gibt keine Referenzpunkte (z.B. hat ein Campingplatz eine bessere Bewertung als die Huka Lodge - zu lustig oder?). Diese Seite sammelt einfach nur eine unglaubliche Masse an Informationen. Sie setzt diese dann aber nicht ins Verhältnis zu den persönlichen Standpunkten, Vorlieben oder Interessen des jeweiligen Benutzers. Hier wird ein Durchschnitt repräsentiert von dem was die meisten Menschen an einem bestimmten Ort erleben - entsprechend durchschnittlich ist auch das Meinungsbild, das dadurch entsteht. Für Menschen wie uns, die sich um eine Reise bemühen, in der ein außergewöhnliches Erlebnis aufs nächste folgt, haben Seiten wie diese keine Relevanz. Denn wir wollen alles sein, nur nicht gewöhnlich!

Danke Tripadvisor für diese augenöffnende Erkenntnis!

Comments

post a comment

More from this section

Steve Latty

Steve Latty

Einer unserer Gästeführer heißt Steve Latty. Aber wir wären nicht Ahipara, wenn das sein einziger Job wäre. Denn Steve ist kein gewöhnlicher Guide: Seit 1981 arbeitet er als Kameramann,... > Read more

Was Reisedesigner mit Meisterköchen verbindet

Was Reisedesigner mit Meisterköchen verbindet

Vor einigen Jahren fragte mich jemand von Tourism New Zealand, was mich in die Reisebranche verschlagen hatte. Zur Erklärung dieses Phänomens (ich war ja vorher in der Unternehmensberatung... > Read more